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Rucksäcke / Packtaschen / Packbeutel

Schon früh haben Menschen herausgefunden, dass man schwere Traglasten besser transportieren kann, wenn sie im Körperschwerpunkt angeordnet sind. Schwere Lasten deshalb per Rucksack zu transportieren ist naheliegend, aber nicht neu.

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Rucksackinfo (28 kB)
Packbeispiel (20 kB)

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Wie sieht ein guter Rucksack aus, was muss er können?
Beispiel dafür ist etwa der Transport von Wasserbehältern auf dem Kopf. Dabei sitzt der Angriffspunkt der Last im Körperzentrum, allerdings über den Umweg der Wirbelsäule.
Zudem hat man nicht mehr die Hände frei, die müssen die Last seitlich stabilisieren.
Dabei gibt es zwei unterschiedliche Konstruktionsprinzipien (von Leichtrucksäcken oder Daypacks ohne Gestell abgesehen): Lastenkraxe/Aussengestellrucksack und der sogenannte Innengestellrucksack.
Beiden gemeinsam ist dass man jeweils versucht die Last, statt sie auf Schulter oder Wirbelsäule zu legen, auf das Becken verlagert (im Gegensatz zu Daypacks etc. bei denen die Last auf den Schultern liegt). Das gelingt unterschiedlich gut, beide Systeme haben Vor- und Nachteile.

Lastenkraxe bzw. Aussengestellrucksack:
In seiner ältesten Form als simples Holzgestell mit Ledertragriemen existiert er zwar nicht mehr, dennoch denken viele Wanderer an so etwas wenn sie Gestellrucksack hören.
Dabei gibt / gab es durchaus Weiterentwicklungen mit modernen, leichten Materialien.
Man verwendet leichtes Aluminium als Gestell. Daran ist das Hauptfach eingehangen und das längenverstellbare Gurtsystem befestigt.
In seiner modernen Form (Haglöfs Alaska, Bergans Power Frame, Fjällräven Gyro... mit leichten Aluminiumgestellen) ist er inzwischen leider zu einer Rarität geworden obwohl er immer noch unschlagbare Vorteile bietet:
Kein moderner Innengestellrucksack kann so effektiv die Last auf das Becken verlagern.
Gleichzeitig liegt er durch die Gestellkonstruktion nicht direkt am Rücken an, der Rücken wird also gut entlüftet, man ist nicht schweissgebadet nach einem anstrengenden Tag.
Einige Modelle sind 2-geteilt, ein Hauptfach und darunter ein separater Packsack den man bei Bedarf auch weglassen und stattdessen andere Dinge aufschnallen kann. Das macht ihn ziemlich flexibel für unterschiedliche Transportaufgaben.
Mit einem Aussengestellrucksack lassen sich auch noch Lasten bis/um 30 Kilo halbwegs bequem transportieren.
Nachteilig ist die relative Sperrigkeit des Gestells im Vergleich zum Innengestellrucksack. Damit ist er etwa für Klettertouren wenig geeignet. Zudem sind Aussengestellrucksäcke, die eher gross (90 Liter Volumen und mehr) sind, relativ schwer, um die 3.8 Kilo.
Dennoch sind sie auch heute noch in Skandinavien weit verbreitet. Die offene weite Landschaft erfordert keine Kletterrucksäcke, dafür unternehmen Skandinavier oft wochenlange Touren mit entsprechend viel an Gepäck. Das ist die Domäne der Aussengestellrucksäcke.

Typ Innengestellrucksack:
Das ist die heute überwiegend anzutreffende Form eines Tourenrucksackes.
Es ist eine Weiterentwicklung etwa der alten Jagdrucksäcke, wobei man versucht hat, Elemente des Aussengestellrucksackes zu integrieren um grössere Lasten erträglich transportieren zu können, trotzdem aber eine kompakte Form zu bewahren.
Innengestell deshalb weil man, um eine gewisse Stabilität / Starrheit zu erreichen, 2 oder auch mehr Aluminium- oder Carbonstangen innen anbringt. Diese stützen sich am Beckengurt ab.
Damit erreicht man eine gute Gewichtsverlagerung auf das Becken, aber längst nicht so gut wie bei einem Aussengestellrucksack. Zudem ist eine solche Konstruktion weniger stabil als ein Aussengestellrucksack, es kommt damit eher zu unerwünschter Eigenbewegung. Durch den unmittelbaren Rückenkontakt schwitzt man hier auch schneller. Dagegen helfen auch zusätzliche belüftete Rückenkissen als Abstandshalter nur bedingt.
Dafür ist er im Schnitt leichter als ein Aussengestellrucksack und sehr kompakt.
Grosse Modelle mit 100 Litern und mehr wiegen aber auch hier 3.5 kilo und mehr.
Sie sehen (und das ist häufig eben auch ein kaufentscheidendes Element) moderner / schicker aus. Das Angebot ist entsprechend gross, die richtige Auswahl schwierig.

Rucksackauswahl:
Allgemein gilt: Je grösser man den Rucksack wählt umso eher ist man geneigt das Volumen auch auszunutzen, ihn also voll zu packen. Dieser Verlockung sollte man unbedingt widerstehen können.
Und noch allgemeiner gilt: Etwa 20-25% des eigenen Körpergewichtes kann man untrainiert halbwegs bequem tragen. Das sind bei 75 Kilo Körpergewicht runde 15 bis max. 20 Kilo. Alles was darüber hinausgeht erfordert Training oder wird einfach nur noch mühsam.

Als Anhaltspunkt für die Grössenwahl:
Für eine 1-wöchige Tour zu Fuss mit Übernachtung im Zelt im Zeitraum Frühjahr bis Herbst reicht ein 65 Liter grosser Rucksack völlig aus.
Auf Wintertouren braucht man mehr Volumen weshalb man dann ja auch sinnvollerweise auf eine Pulka ausweicht, sofern es nicht im alpinen Gelände ist.

Daneben gibt es aber etwas weit Wichtigeres zu beachten:
Ein Rucksack muss passen. Und zwar exakt. Das gilt sowohl für Aussengestell- als auch für Innengestellrucksäcke.
Dazu muss man ihn probetragen mit entsprechendem Gewicht. Innerhalb gewisser Grenzen lässt sich das Tragesystem an den Träger anpassen. Manche Hersteller bieten auch unterschiedlich grosse Gurtsysteme für unterschiedliche Rückenlängen an.
Die Gurtgrösse muss der Rückenlänge des Trägers angepasst sein, ebenso (bei Innengestellrucksäcken) die Vorbiegung der stabilisierenden Stangen. Sind diese aus Aluminium dann kann man sie mit etwas Kraftaufwand der Rückenkontur anpassen.
Bei Aussengestellrucksäcken ist das nicht nötig, da liegt das tragende Gestell ja nicht am Rücken an. Die Rückenlänge lässt sich zudem in sehr weiten Bereichen ändern.

Der Beckengurt, der die eigentliche Lastübertragung auf das Becken übernimmt, ist ein halbstarres, gepolstertes Gurtteil. Dieses muss sich exakt dem Becken anpassen (insbesondere im Bereich der Hüftknochen) ohne irgendwo zu drücken. Diese Problemzone, vor Allem bei sehr schlanken Menschen, kann man entschärfen indem man darauf achtet dass hier keine Kleidungsfalten oder dicke Nähte anliegen. Im Extremfall kann man den Bereich abpolstern, etwa mit einem grossen Blasenpflaster. Besser ist es aber wenn der Beckengurt fest, aber druck-/schmerzfrei anliegt.

Manche Rucksäcke haben einen sehr starren Beckengut, andere sind flexibler oder speziell ausgeformt, das muss man ausprobieren.
Am Besten über eine längere Zeit, fünf Minuten im Outdoorladen sind zu wenig um die Passform / den Tragekomfort beurteilen zu können. Also ruhig mal 1 Stunde damit eine Runde drehen bevor man Unvollkommenheiten erst auf Tour entdeckt. Dann ist es zu spät.

Ebenso wichtig ist ein Brustgurt der bei entlasteten Schultergurten dafür sorgt dass die Träger nicht von der Schulter rutschen. Er sollte in der Länge flexibel sein (integriertes Gummiband) um die Atmung nicht zu behindern.
Genauso wichtig sind die Verstellmöglichkeiten am Schultergurt um den Rucksack näher an den Körper (etwa wenn es bergauf geht oder durch schwierige Passagen) oder weiter weg (etwa bergab) zu bringen, sowie die im unteren Teil der Schultergurte befindlichen Bänder um die Schultergurtlänge zu variieren. Damit reguliert man die Gewichtsverteilung zwischen Schultern und Becken. Alle diese Verstellmöglichkeiten müssen sich leicht bewerkstelligen lassen.
Ist ein Rucksack einmal individuell auf den Träger eingestellt dann sollten zur Regulierung unterwegs nur noch der Brustgurt und der Schultergurt verwendet werden.

Ob und wieviel Wert man auf Ausstattungsdetails wie integrierter Trinkbehälter, äussere Befestigungsmöglichkeiten für Zusatzausrüstung, Seitentaschen oder ähnliche Dinge legt ist Geschmackssache. Man sollte aber bedenken dass der Rucksack umso instabiler / unhandlicher wird ja mehr man aussen anbringt.

Ein Rucksack sollte mindestens ein leicht zugägliches und unterteilbares Hauptfach, idealerweise ein separates Boden-/ Schlafsackfach und ein Deckelfach oben haben.
Damit lässt sich relativ gut Ordnung schaffen und halten.
Schwere Dinge packt man nach oben, da sind sie eher über dem Körperschwerpunkt. Leichte Dinge wie ein Schlafsack nach unten, sinnvollerweise in ein separates Schlafsackfach. Ganz oben auf das Deckelfach kann man eine leichte Isomatte aufschnallen.

Was häufig vergessen wird: Ein regendichter Überzug. Der verhindert das völlige Durchnässen der gesamten Ausrüstung. Zusätzlich sollten aber empfindsame Teile wie etwa Schlafsack oder Daunenjacke in einem wasserdichten Beutel verpackt sein.
Bei modernen Rucksäcken sind praktisch alle Verschlüsse und Schnallen aus Plastik. Mindestens eine Ersatzschnalle für den Beckengurt sollte man als Reserve dabei haben.

Und zu guter Letzt - Packvorschlag
Die gesamte Ausrüstung muss man als Einheit betrachten, es müssen nicht nur alle Teile funktional zusammenpassen (einen Winterschlafsack sollte man nicht gerade mit einem Sommerzelt kombinieren um Gewicht zu sparen), Packmass bzw. Gesamtgewicht müssen zur eigenen "Gewichtsklasse" passen (s. Rucksack-Info).

Als grobe Orientierung für eine einwöchige (7 Tage) Solotour im Spätsommer / Herbst mit etwas Komfort unterwegs:

Rucksack 65 Liter Volumen 2.3 Kilo
Zelt incl. Zubehör 2.5 Kilo
Schlafsack 1.2 Kilo
Isomatte 0.7-1.2 Kilo
Kocher 0.5 Kilo
Brennstoff 1 Kilo
Kochgeschirr 0.3-0.5 Kilo

Ersatzwäsche/Handschuhe/Mütze 1 Kilo
Hygiene + 1.Hilfe 0.5 Kilo
Regenschutz 1 Kilo
Karten/GPS 0.5 Kilo

Verpflegung 650 Gramm/Tag 4.5 Kilo

Kleinzeug 1.5 Kilo

In Summe kommt man so auf rund 18 Kilo Gesamtgewicht.
Das lässt sich beliebig erhöhen, aber nur mit höheren Anschaffungskosten oder grossen Abstrichen vermindern. Eine Leichtgewichtsausrüstung ohne Komforteinbussen kann schnell teuer werden.

Kleinteile, wie Kamera, Handy, Schreibzeug, ein kleines Buch/Wanderführer, Ausweis, Geld, Schlüssel etc. sollte man immer mitrechnen und einkalkulieren.
Eine Packliste ist dabei sehr sinnvoll, eine Haushaltswaage hilft bei der Gewichtsbestimmung.
Man sollte jedes Teil wiegen und entscheiden ob es absolut notwendig ist. Das gilt besonders für die Kleinteile.
Bedenken muss man auch eventuellen Wassertransport, insbesondere in Karstgegenden. Da kommen leicht 2-3 Liter pro Tag zusammen.
Etwas besser sieht es aus wenn man zu Zweit unterwegs ist. Einige Dinge braucht man nur einmal und kann dann das Gewicht aufteilen, etwa bei Zelt und Kocher/Küche.
Dann erreicht man relativ einfach ein Gewicht pro Person von ungefähr 16 Kilo.
Das Gesamtgewicht nimmt zwar im Laufe der Zeit um das Verpflegungsgewicht ab, aber ausgerechnet zu Beginn hat man das höchste Gewicht zu tragen. Daher sind die ersten 1-2 Tage meist anstrengend. Mit zunehmender Dauer ist man nicht nur trainierter und an das ungewohnte Tragen eines Rucksackes besser gewöhnt, man hat auch immer weniger Gewicht.

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